Tief „Bernd“ legt Versicherungslücken offen

Im Rückblick wirkt es fast prophetisch, was der Hauptgeschäftsführer des VersichererGesamtverbands GDV, Jörg Asmussen, am 8. Juli verlauten ließ: „Es hat sich erneut gezeigt,
welch große Schäden Hagel und Starkregen innerhalb kürzester Zeit anrichten können.“ Damit
bezog er sich auf die Unwetter, die im Juni im Südwesten Deutschlands Schäden von 1,7
Milliarden Euro verursacht haben – seit 2002 hatte es nur einmal eine kostspieligere Sturmserie
gegeben. Erfasst sind allerdings nur versicherte Fälle, die tatsächlichen Schäden lagen deutlich
höher. Asmussen warnte – im Einklang mit dem Gros der Klimaforscher – vor zunehmender
Häufigkeit und Intensität solcher Extremwetterereignisse.
Nur eine Woche später bestätigten sich diese Befürchtungen auf schlimmste Weise, als Tief
„Bernd“ mit Dauerregen und Überschwemmungen in Teilen von Rheinland-Pfalz und NordrheinWestfalen für eine Katastrophe sorgte, deren Ausmaß auch Pessimisten kaum für möglich
gehalten hatten. Mehr als 170 Todesopfer sind nach jetzigem Stand zu beklagen.
Wie hoch der Sachschaden ausfallen wird, lässt sich noch nicht beziffern. Klar ist aber: Mehr als
die Hälfte der Hausbesitzer ist auf staatliche Hilfen angewiesen, da sie nicht gegen
Elementargefahren wie Starkregen und Hochwasser versichert sind. Diese Risiken sind von der
Standard-Deckung einer Wohngebäudeversicherung nicht umfasst, sondern bedürfen einer
erweiterten Naturgefahrenversicherung. Diskutiert wird nun, nicht zum ersten Mal, ob der
Gesetzgeber eine solche Absicherung vorschreiben sollte.


SPACs gehen durch die Decke

Es gibt sie schon seit Jahrzehnten, doch erst seit der lautstarken Fürsprache Prominenter wie
Jay-Z, Serena Williams oder Shaquille O’Neill erleben sie einen Boom: Special Purpose
Acquisition Companies, kurz SPACs. Ihr weltweites Emissionsvolumen stieg von 13,6 Milliarden
US-Dollar 2019 auf 83,4 Milliarden im letzten Jahr und wird in diesem Jahr vermutlich die 100-
Milliarden-Marke überspringen.
Auch in Deutschland sind erste SPACs erhältlich. Bei den Anlagevehikeln handelt es sich um
leere Firmenhüllen, die mit vielversprechenden Unternehmen gefüllt werden sollen. Diese
entstammen in der Regel einer bestimmten Branche, etwa Technologie oder erneuerbare
Energien. Anleger brauchen viel Vertrauen in die handelnden Akteure, denn sie kaufen die Katze
im Sack.
Die SPAC-Initiatoren haben nach Auflegung des leeren Börsenmantels 24 Monate Zeit,
Zielunternehmen zu finden, sonst wird der Fonds liquidiert. Jeder Akquise müssen mindestens
50 Prozent der Investoren auf der Hauptversammlung zustimmen. Wer trotz positivem
Mehrheitsentscheid gegen eine geplante Übernahme ist, kann sich sein Geld zum Startkurs
wieder auszahlen lassen. Die Performance der SPACs wird in der Regel durch eine hohe
Kostenbelastung seitens Management und Initiatoren getrübt.


Deutsche halten auch in Krisenzeiten an Vorsorgeversicherungen fest

Das Pandemiejahr 2020 brachte für Millionen von Bundesbürgern Einnahmeausfälle mit sich, in
vielen Fällen bis hin zur Existenznot. Folglich mussten bei den Betroffenen alle Ausgaben auf
den Prüfstand gestellt werden. Die vielfach geäußerte Befürchtung, bei den
Vorsorgeversicherungen würde als Erstes der Rotstift angesetzt, hat sich allerdings nicht
bewahrheitet.
Wie der vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) herausgegebene
Jahresüberblick „Lebensversicherung in Zahlen 2021“ zeigt, ist die Stornoquote 2020 vielmehr
auf ein historisches Tief von 2,55 Prozent gefallen – im Vorjahr hatte sie noch bei 2,7 Prozent
gelegen. Großen Anteil daran dürften Angebote der befristeten Beitragsfreistellung oder –
stundung gehabt haben, mit denen viele Versicherer ihren Kunden entgegenkamen.
Mit 103 Milliarden Euro nahmen Lebensversicherer, Pensionskassen und -fonds 2020 ebenso
viel an Beiträgen ein wie 2019. Offenbar werden die knapperen Mittel durch ein erstarktes
Vorsorgebewusstsein kompensiert.


Negativzinsen auf Girokonten-Guthaben sind zulässig

Die Verbraucherzentrale Sachsen hatte gegen die Sparkasse Vogtland geklagt, weil diese bei
Neukunden und nach einem Kontowechsel ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,7 Prozent pro Jahr
– zusätzlich zu den Kontoführungsgebühren – verlangt. Lediglich Guthaben unter 5.000 Euro
bleiben davon verschont. Wie das Landgericht Leipzig nun urteilte, ist das rechtmäßig. Auch
Sparkassen müssten sich „an Marktgegebenheiten ausrichten und wirtschaftlich agieren“.
Zwar wollen die Verbraucherschützer in Berufung gehen, doch der Trend ist ungebrochen: Es
wird immer kostspieliger, Erspartes auf Giro- und Festgeldkonten herumliegen zu lassen – wo
zudem die Inflation an der Kaufkraft nagt. Mittlerweile erheben mehr als 450 Banken
Negativzinsen.
Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist kürzlich juristisch
gescheitert, als sie einem Online-Broker per Unterlassungsverfügung verbieten wollte, schon ab
einem Guthaben von 250 Euro Negativzinsen zu vereinnahmen. Das Frankfurter
Verwaltungsgericht befand, dass die Aufsicht kein Recht zum Einschreiten habe, solange der
ordentliche Rechtsweg offenstehe.


Gefahr von Cyberangriffen noch immer unterschätzt

Hackerattacken finden selten den Weg in überregionale Medien – wie Mitte Juli, als der
Landkreis Anhalt-Bitterfeld seine gesamte IT infolge einer Cybererpressung abschalten musste
und noch nicht mal Sozialhilfe anweisen oder E-Mails versenden konnte. Diese
schlagzeilenträchtigen Fälle bilden nur die Spitze des Eisbergs, wie eine forsa-Umfrage kürzlich
erneut belegte: 27 Prozent der mittelständischen Unternehmen waren bereits von einer
erfolgreichen Cyberattacke betroffen. Bei 39 Prozent von ihnen waren die Computersysteme für
mindestens vier Tage außer Betrieb; dieser Anteil hatte im Vorjahr noch bei 20 Prozent gelegen.
Dessen ungeachtet halten 70 Prozent die Gefahr aus dem Cyberraum für ihr eigenes
Unternehmen für gering – und betreiben nur halbherzig Prävention. Lediglich jedes fünfte
Unternehmen macht Nägel mit Köpfen und erfüllt die zehn Basis-Anforderungen an ITSicherheit, wie sie von der Initiative CyberSicher definiert werden. Vor allem bei der
Datensicherung hapert es. Auch eine Cyberpolice, die nicht nur finanzielle Schäden ersetzt,
sondern zudem bei der Prävention unterstützt, haben in Deutschland nur wenige Unternehmen
und Privatpersonen abgeschlossen.


Sind Krypto-Fonds eine sicherere Alternative zum direkten Währungskauf?

Bereits legendär in der Krypto-Szene ist der deutsche Programmierer Stefan Thomas, der vor
langer Zeit über 7.000 Bitcoins kaufte – heutiger Wert: über 200 Millionen Euro – und sich
partout nicht an das Passwort (Private Key) erinnern kann. So bleibt sein Vermögen
unerreichbar.
Der Fall schürt Ängste, die viele mit einem Krypto-Engagement liebäugelnde Privatanleger
umtreiben: Was, wenn ich nicht mehr an mein Krypto-Guthaben (Wallet) herankomme, weil ich
den Private Key vergessen/verlegt habe? Oder wenn meine Online-Verwahrstelle pleitegeht
oder gehackt wird?
Abhilfe versprechen aktiv gemanagte Krypto-Fonds, die derzeit vermehrt aufgelegt werden.
Szenekundige Manager übernehmen dabei die Auswahl jener Kryptowährungen, die
Wachstumspotenzial versprechen. Das ist keine Kleinigkeit, denn der Markt ist mit über 10.000
handelbaren Währungen mittlerweile unüberschaubar geworden. Durch eine kluge
Diversifizierung soll das Risiko vermindert und eine Outperformance bewerkstelligt werden, die
die Managementgebühren wettmacht. Es bleibt allerdings das Risiko, dass der Kryptomarkt auf
breiter Front abstürzt. Für die Altersvorsorge sind Krypto-Fonds also weniger geeignet, vielmehr
dienen sie der Spekulation. Immerhin ist das Guthaben aber bei seriösen Anbietern in sicheren
Händen und auch bei Passwortverlust noch verfügbar.


Berufsunfähigkeitsrisiko junger Frauen stark gestiegen

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), in der sich die Versicherungsmathematiker
zusammengeschlossen haben, hat Berufsunfähigkeitsfälle der letzten 20 Jahre ausgewertet. Wie
sich herausstellte, hat sich das Risiko, vorzeitig wegen Krankheit oder Unfall den Beruf
aufgeben zu müssen, insbesondere für Frauen unter 40 Jahren erhöht – im
Betrachtungszeitraum um mehr als 30 Prozent. Primär geht dieser Anstieg auf psychische
Leiden zurück, die mittlerweile den Hauptgrund für einen erzwungenen verfrühten Ruhestand
darstellen.
Insgesamt beklagen die Aktuare eine anhaltende Sorglosigkeit bei den Berufstätigen in
Deutschland: „Die Menschen versichern ihr Smartphone, aber nicht ihre Arbeitskraft und damit
ihre Existenzgrundlage“, bringt der DAV-Vorstandsvorsitzende Dr. Herbert Schneidemann die
Lage auf den Punkt und warnt eindringlich: „Ohne eine entsprechende Absicherung sind das für
die meisten kaum zu kompensierende Einschnitte im Haushaltseinkommen, und für
Alleinverdiener oder Singles kann das sogar den Ruin bedeuten.“ Im Jahr 2019 verfügten nur
rund 17 Millionen der 45 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland über eine
Invaliditätsabsicherung.


400 Milliarden Euro Erbmasse – Jahr für Jahr

In einer Gemeinschaftsstudie schätzen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das
Deutsche Zentrum für Altersfragen und die Uni Vechta das Volumen der jährlich vererbten
Vermögen für die kommenden Jahre auf 400 Milliarden Euro. Im Schnitt entfallen bei
Erbschaften 85.000 Euro auf einen Hinterbliebenen, während bei Schenkungen zu Lebzeiten
89.000 Euro pro Begünstigten den Besitzer wechseln.
Bei der Gestaltung des Erbens und Schenkens gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Steuerlast
deutlich zu reduzieren, etwa mit Fondspolicen. Diese müssen allerdings gewisse
Gestaltungsmerkmale aufweisen: keine feste Vertragslaufzeit, mehrere Versicherungsnehmer
und versicherte Personen, flexible Bezugsrechte. Einige Gesellschaften bieten speziell auf den
intergenerationellen Vermögenstransfer zugeschnittene Fondspolicen an.
Spezialisierte Generationenberater und Ruhestandsplaner unterstützen bei der
steuerschonenden Weitergabe von Vermögen, wobei sie nach Bedarf weitere Fachleute wie
Steuerberater oder Rechtsanwälte hinzuziehen.