Nie gab es weniger (versicherte) Blitzschäden als 2020

In Zeiten, in denen die Naturgewalten von Jahr zu Jahr unkalkulierbarer und zerstörerischer zu
werden scheinen, mag diese Mitteilung des Versicherer-Gesamtverbands GDV überraschen: Im
letzten Jahr wurden den Versicherern so wenige Blitzschäden gemeldet wie nie zuvor, nämlich
rund 200.000. Damit setzt sich der stetige Rückgang seit 2014, als rund 380.000 Schäden durch
Blitzeinschläge registriert wurden, fort. Die Zahlen umfassen sowohl Gebäude- als auch
Hausratversicherungen.
Die durchschnittliche Schadenshöhe erreichte mit circa 1.300 Euro ebenfalls einen Rekordwert,
allerdings nach oben. Aus diesem Grund sind die Gesamtschadenszahlungen trotz der geringen
Fallzahl erneut gestiegen. Nach 250 Millionen Euro im Jahr 2019 leisteten die Versicherer im
vergangenen Jahr 260 Millionen Euro für Blitzschäden.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen führt den Anstieg des Schadensdurchschnitts auf die
fortschreitende Gebäudetechnisierung zurück. Hightech-Steuerungen für Jalousien oder
Heizungen sind immer häufiger von Blitzeinschlägen betroffen, die Reparatur kann kostspielig
werden.


Grüner Wasserstoff: noch nicht reif für die große Börsenstory

In grünen Wasserstoff als Energieträger werden gewaltige Hoffnungen gesetzt. Ein Viertel der
weltweiten Energienachfrage soll nach gängigen Szenarien bis Mitte des Jahrhunderts damit
gedeckt werden. Die Bank of America hält ein Umsatzvolumen von 2,5 Billionen US-Dollar für
wahrscheinlich. Der Ausweg aus der Klimakrise soll maßgeblich von Wasserstoff geebnet
werden.
Damit sollte auch Unternehmen aus diesem Wirtschaftssektor eine goldene Zukunft
bevorstehen, könnte man als Börsenbeobachter meinen – und entsprechend investieren. In
diesem Jahr allerdings haben Wasserstoff-Anleger wenig Anlass zu Freude gehabt: Die wenigen
Themenfonds tendierten negativ, Weltmarktführer Ballard-Power erlitt Kurseinbußen von
teilweise mehr als einem Drittel. Umsatz und Gewinn blieben bislang unter den Erwartungen,
die erforderlichen immensen Investitionen in Forschung & Entwicklung kann Ballard-Power nur
mithilfe externen Kapitals stemmen. Bis zur Wettbewerbsfähigkeit und Praxisreife des grünen
Wasserstoffs ist es noch ein weiter Weg – solange sein Zeil nicht erreicht ist, dürften
Wasserstoff-Investments robuste Anlegernerven erfordern.


Betriebsrente: Geringverdienerförderung findet nur langsam Verbreitung

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) wurde 2018 ein Fördermodell für
Geringverdiener eingeführt. Der Staat übernimmt seitdem einen Teil der Kosten, die Arbeitgeber
in die betriebliche Altersversorgung ihrer wenig verdienenden Arbeitnehmer (bis 2.575 Euro
Bruttomonatseinkommen) investieren. 288 Euro pro Jahr beträgt der Förderhöchstbetrag derzeit.
Wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, bleibt das Interesse insbesondere bei
kleinen und Kleinstbetrieben bislang verhalten. Nur 6,0 bzw. 3,1 Prozent der Firmen dieser
Größenordnung nehmen die Förderung in Anspruch. Bei den Großbetrieben mit mehr als 250
Mitarbeitern sind es 14,5 Prozent. In diesen sind denn auch mehr als 60 Prozent der Geförderten
angestellt, in Kleinstbetrieben mit bis zu 10 Mitarbeitern dagegen nur 7 Prozent.
Immerhin stimmt die Gesamttendenz: 2018 nutzten lediglich 2,5 Prozent der Arbeitgeber die
Förderoption, über 3,4 Prozent (2019) stieg dieser Anteil im letzten Jahr auf 4,2 Prozent. In der
Bundespolitik wird dennoch diskutiert, ob die Betriebsrentenförderung für Geringverdiener zur
gesetzlichen Pflicht erhoben werden sollte.


Wo lohnt sich der Wohnimmobilienkauf noch?

Die Preise für Wohnimmobilien haben bekanntermaßen in vielen Teilen Deutschlands ein
Niveau erreicht, das mit den zu erwartenden Mieteinnahmen erst nach mehreren Jahrzehnten
gedeckt werden kann. Die konkrete Jahresanzahl – Vervielfältiger genannt – ist ein zentrales
Kriterium bei einer Kaufentscheidung. In manchen Gegenden Deutschlands bekommt man
Mietwohnungen für das Zwölffache der Jahresnettokaltmiete (Sachsen-Anhalt), in anderen muss
man das 75-Fache (Nordfriesland) berappen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die
Wertentwicklung einer Immobilie, die erheblich zur Gesamtrendite eines Investments beitragen
kann.
Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut hat Kaufpreisniveaus, Vervielfältiger und zu
erwartende Wertsteigerung in allen Kreisen und kreisfreien Städten unter die Lupe genommen.
Die besten Investitionschancen gibt es demzufolge in Teilen Niedersachsens (Landkreise
Gifhorn, Grafschaft Bentheim, Lüneburg, Osnabrück, Rotenburg/Wümme) und SchleswigHolsteins (Herzogtum Lauenburg) sowie in einigen Kreisen in Hessen (Bergstraße, DarmstadtDieburg, Offenbach), Rheinland-Pfalz (Alzey-Worms, Südliche Weinstraße, Bad Dürkheim),
Baden-Württemberg (Waldshut, Tuttlingen) und Bayern (Straubing-Bogen). Die Analysten
verweisen allerdings auf Regulierungsrisiken infolge der Bundestagswahl, da die steigenden
Mieten weit oben auf der politischen Aufgabenliste der neuen Regierung stehen dürften.


Versicherer schaffen Starkregengefährdungsklassen (SGK)

Es wirkt wie eine Reaktion auf die verheerenden Überschwemmungen von Mitte Juli, doch
tatsächlich wurde die Reform schon vorher beschlossen und kürzlich bereits umgesetzt: Das
ZÜRS-Geo-System, das die Hochwassergefährdung von mehr als 22 Millionen Gebäuden in
Deutschland erfasst, wurde ergänzt.
Nun werden auch Extremniederschläge als Schadensrisiko einbezogen, wofür drei
Starkregengefährdungsklassen (SGK) geschaffen wurden. SGK 1 umfasst Gebäude, die am
oberen Bereich eines Hangs oder auf einer Kuppe liegen und daher eine geringe Gefährdung
aufweisen. Gebäude in der Ebene oder im unteren oder mittleren Bereich eines Hangs werden
der SGK 2 zugeordnet, wenn kein Bach in der Nähe fließt. Für Gebäude in Tälern oder in
Bachnähe gilt die höchste SGK 3. In dieser befinden sich mit 2,6 Millionen fast 12 Prozent aller
erfassten Adressen. Zum Vergleich: Auf die beiden höchsten der vier Gefährdungsklassen von
ZÜRS-Geo entfallen nur 1,5 Prozent der Gebäude.
ZÜRS Geo und die SGK unterstützen die Versicherer bei der Risikobewertung für Gebäude- und
Inhaltsversicherungen.


Vermögen der Deutschen überspringt 7-Billionen-Marke – exklusive Immobilien

Laut der Deutschen Bundesbank verfügen die Bundesbürger in Form von Bargeld, Wertpapieren,
Bankeinlagen und Ansprüchen gegenüber Versicherungen über mehr als 7,1 Billionen Euro und
damit über so viel wie nie zuvor. Im ersten Quartal dieses Jahres kamen über 190 Milliarden
Euro hinzu. Nicht eingerechnet sind Immobilien und deren Wertsteigerung.
Nach wie vor setzen die Deutschen für ihr Geldvermögen in erster Linie auf Sicherheit und
horten es gern als Bargeld oder Sichteinlagen, worauf mit 2,86 Billionen Euro der Löwenanteil
des Gesamtvermögens entfällt. Den Null- bzw. Negativzinsen zum Trotz flossen auch im ersten
Quartal wieder 47 Milliarden Euro in diese Anlageformen, die den Vorteil jederzeitiger Liquidität
bieten. In Investmentfonds pumpten die Bundesbürger mit 25 Milliarden Euro zwar nur gut halb
so viel – aber auch diese Summe markiert einen Rekord. Hinzu kamen drei Milliarden, die in
Aktien und sonstige Anteilsrechte vor allem inländischer Unternehmen investiert wurden. Ein
zaghafter Trend Richtung Kapitalmärkte lässt sich mithin erkennen.


Vorstoß mit Modellcharakter? Senioren erhalten Kfz-Prämienrabatt gegen Check

Ein großer Kfz-Versicherer bietet seinen Kunden ab 70 Jahren einen Beitragsrabatt, wenn sie
ihre Fahrtüchtigkeit einer Prüfung unterziehen. Deren Ergebnis spielt keine Rolle, die älteren
Kunden sollen lediglich für ihre Stärken und Schwächen sensibilisiert werden. Dies geschieht
durch eine sogenannte Rückmeldefahrt mit einem Fahrlehrer. Der Rabatt gilt daraufhin
dauerhaft, die Prüfung muss nicht wiederholt werden.
Spektakuläre Unfälle mit Seniorenbeteiligung schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen.
Seit Jahren wird daher über eine gesetzliche Verpflichtung zu regelmäßigen ärztlichen Checks
älterer Fahrer debattiert, wie sie beispielsweise in der Schweiz gilt. Welche Gefahr von
betagteren Verkehrsteilnehmern wirklich ausgeht, ist allerdings umstritten. Zwar sind sie nach
Zahlen des Versicherer-Gesamtverbands vergleichsweise häufig Hauptverursacher von Unfällen
– das Gleiche gilt allerdings für junge Fahrer, die zudem in der Tendenz schwerere Unfälle zu
verantworten haben. Das Statistische Bundesamt ermittelte 2019, dass Senioren relativ selten
an Unfällen mit Personenschäden beteiligt sind, wenn man ihren Bevölkerungsanteil
danebenstellt.


Versicherer setzen auf Assetklasse Immobilien

Wer wie Versicherer Vermögenswerte sicher erhalten und mehren will, steht angesichts der
anhaltenden Nullzinsen vor einer wachsenden Herausforderung. Als Alternative zu
festverzinslichen Anlagen gewinnen Sachwerte daher immer mehr an Beliebtheit. Vor allem
Immobilien versprechen Wertsteigerung und stetigen Cashflow, auch wenn die Kaufpreise
mittlerweile in vielen Lagen den Mieten weit enteilt sind.
Die ungebrochene Attraktivität des Betongolds spiegelt sich in der Investitionsstrategie der
deutschen Versicherer wider, die zu den institutionellen Schwergewichten an den
Anlagemärkten gehören. Laut einer EY-Umfrage unter 30 Versicherern bestehen deren
Portfolios mittlerweile zu 11,5 Prozent aus Immobilien, ein Rekordwert. 63 Prozent der
teilnehmenden Assekuranzen wollen ihre Immobilienquote künftig weiter erhöhen. Vor allem
geschlossene Immobilienfonds sind bei ihnen beliebt. Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich
der Schwerpunkt zuletzt stärker von Logistik- auf Wohnobjekte verlagert, auf die im
vergangenen Jahr 96 Prozent der Immobilieninvestitionen entfielen.